Karsten, du fehlst!

Ein persönlicher Abschied

Über 15 Jahre haben wir gemeinsam Aktionen gemacht, Atomanlagen blockiert, Bäume besetzt, Transporte beobachtet und gestoppt, vor Gericht gestanden. Versucht, den Atomstaat wo es ging zu piesacken. Und jetzt bist du nicht mehr da und ich unendlich traurig. Wer soll uns denn jetzt Schwänke aus dem Schienengütertransportwesen und dem Hafenleben erzählen? Und über die absurdesten Verschwörungstheorien aufklären?

Nach deiner Darmkrebs-OP letztes Jahr hatten wir doch ausgemacht, dass du das mit dem Sterben vorerst noch sein lässt, erinnerst du dich? Du hast die These aufgestellt, es sei sicherlich eine Verschwörung der Fleischerinnung mit den Illuminati, die schuld an deiner Krankheit seien. Ich werde dem nachgehen.

Aber ich werde dich nicht als kranken Menschen in Erinnerung behalten, sicher nicht. Ich werde mich an dich erinnern, als den Karsten, der vor dem Gericht in Steinfurt bei meinem Prozess Puppentheater spielte und Lieselotte Meyer als Handpuppe Leben verlieh. Der neben den Schienen in einer Aktion auch mal sein Essen liegen ließ. Der auf dem Weg immer noch eine Cola kaufen musste. Der immer alles irgendwo aufzutreiben wusste, was für die nächste Aktion noch fehlte und bis spät in die Nacht Transparente genäht hat. Ohne dich wüsste ich nicht, was eine Truma-Heizung ist und wäre niemals in meinem Leben Ballon gefahren.

Ich werde mich an dich erinnern als verschmitzt und humorvoll, ruhig und einfach zutiefst liebenswürdig.

Danke für alles!

Hanna

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