Kletteraktivistinnen nach Uranzugblockade in Buchholz in der Nordheide vor Gericht

* Widerspruch gegen ein Bußgeld in Höhe von 500 Euro wird vor dem Amtsgericht Potsdam verhandelt
* Erster Prozesstermin gegen eine Kletteraktivistin: 06. September 2017 – 11 Uhr – Amtsgericht Potsdam (Jägerallee 10-12), Saal 21

Abseilaktion gegen uranzug in Buchholz, April 2016

Abseilaktion gegen Uranzug in Buchholz, April 2016

In der Nacht zum 8. April 2016 protestierten rund 20 Atomkraftgegner*innen gegen einen Transport von Uranerzkonzentrat vom Hamburger Hafen in die südfranzösische AREVA Atomfabrik in Narbonne Malvési. Zwei Aktivistinnen seilten sich von einer Fußgängerbrücke im Bahnhof Buchholz in der Nordheide ab und entrollten ein Banner. Sie wurden im weiteren Verlauf von der Berufsfeuerwehr herunter geholt und durch die Polizei in Gewahrsam genommen. Der Atomzug setzte seine Fahrt nach ca. 4 Stunden fort. Mit ihrer Aktion wollten die Demonstrant*innen auf die zahlreichen Versorgungstransporte der Atomindustrie, die trotz angeblichem Atomausstieg weiter und unbefristet stattfinden, aufmerksam machen.
Die gegen die beiden Kletteraktivistinnen eingeleiteten Strafverfahren wegen eines Eingriffes in den Schienenverkehr wurden wenige Wochen nach der Aktion eingestellt, es konnte keine Straftat festgestellt werden. Die Bundespolizei verfolgt jedoch die Handlung weiter als Ordnungswidrigkeit und verschickte Bußgelder in Höhe von 500 Euro wegen Verstoß gegen die Eisenbahn- Bau- und Betriebsordnung (EBO).
Die zwei Kletteraktivistinnen haben Widerspruch eingelegt. Der erste Prozess gegen Kletteraktivistin Cécile Lecomte findet am 28. Juni 2017 um 9 Uhr 06. September 2017 um 11 Uhr vor dem Amtsgericht Potsdam  (Saal 21) statt. Die Prozesse finden in Potsdam statt, weil die Bußgeldbehörde dort ihren Sitz hat.
Die Betroffene freut sich über solidarische Unterstützung vor und im Gerichtssaal. Kommt zum Prozess!

Hintergrund

Das Uranerzkonzentrat, das der gestoppte Zug geladen hatte, war zuvor mit einem Schiff der Reederei MACS aus Namibia nach Hamburg befördert und auf dem Süd-West-Terminal der Firma C. Steinweg umgeschlagen worden. In Frankreich wird das Uran in mehreren Etappen chemisch verarbeitet, angereichert und schließlich zu Brennelementen für den Einsatz in Atomkraftwerken weltweit gefertigt.

Das Uranerzkonzentrat ist aber auch unentbehrlicher Ausgsangangsstoff für die Produktion von Atombomben. Tatsächlich gibt -und gab es nie !- eine Trennung zwischen der zivilen und militärischen Nutzung der Atomenergie. Beide Bereiche sind vielfach miteinander verknüpft und voneinander abhängig.

Die Versorgungstransporte der Atomindustrie finden in der breiten Öffentlichkeit kaum Beachtung, obwohl sie es sind, die den Betrieb von Atomanlagen weltweit ermöglichen. Schon am Anfang der Atomspirale und nicht erst beim GAU im Atomkraftwerk  sind zahlreiche Opfer zu beklagen. Arbeiter*innen erkranken und sterben beim Uranbergbau, ganze Gegenden werden radioaktiv verseucht. Selbst in einer Fabrik wie der in Narbonne Malvésie erkranken und sterben auffällig viele Arbeiter*innen an Leukämie und anderen Krebsarten.
Die Kletteraktivistin und Journalistin Cécile Lecomte, die am 28. Juni vor Gericht steht, hat über diese Anlage recherchiert und ein Dossier veröffentlicht.

Atomkraftgegner*innen hatten im vergangenen Frühjahr zu Aktionstagen gegen Urantransporte aufgerufen. Die Abseilaktion vom 8. April 2016 fand in diesem Rahmen statt. Um Protestaktionen zu verhindern, hatte die Polizei die Abfahrt des Transportes vorverlegt. Die Aktivist*innen bemerkten dies und stellten sich auf die Fahrplanänderung spontan ein. Die Geheimniskrämerei gehört zum Geschäft der Atomindustrie. Informationen zu diesen Atomtransporten gelangen erst auf Initiative engagierter Menschen, die ihre Beobachtungen melden und Aktionen durchführen, an die Öffentlichkeit. Die Aktivist*innen fordern einen sofortigen Stopp aller Atomtransporte.

Weitere Informationen
Bildergalerie
Video von Graswurzel.tv zur Aktion
Aktionsbericht und Pressemitteilung von ROBIN WOOD
Dossier von Cécile Lecomte über die Uranfabrik in Narbonne Malvési
Hamburger Kampagne gegen Atomtransporte mit Hintergrundinformationen
Bundesweite Vernetzung gegen Urantransporte mit Hintergrundinformationen
Antirep-Seite

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