Brief aus der JVA: Ab in die Quarantäne

Brief von Ibi vom 23. und 24.4.:

Vorab im Internet war nichts auffindbar, auch ein Anruf bei der JVA Lubeck brachte keine Informationen über die Corona-Quarantäneregeln. Die Staatsanwaltschaft Hamburg hatte auch zum Haftantritt in die JVA Lübeck bestellt (die in SH eigentlich für Frauen zuständig ist). Da angekommen wurde ich gleich vorne am Tor abgeholt. (kamm mir komisch vor, vielleicht wegen der Kundgebung vorm Knast) und mir wurde eröffnet, dass ich heute noch zur Quarantäne nach Schleswig gebracht würde. Die Schliesser*innen waren verwundert, dass ich überhaupt nach Lübeck geladen wurde, schließlich wüssten die in SH, dass Quarantäne für Frauen in Schleswig sei. Bis nach Hamburg hat es das wohl nicht geschaft – bis in die Öffentlichkeit auch nicht, ich war auch überascht. Dann fragten sie mich doch glatt, ob ich es schaffen würde, selbst nach Schleswig zu kommen. Kurz war ich in Versuchung wieder nach draussen zu meinen Freund*innen zu gehen. Wusste aber auch, dass die Kraft aufzubringen selbst reinzugehen ich kaum ein zweites mal aufbringen könnte und fand es auch ziemlich absurd, dass ich mich um deren Probleme kümmern sollte. So entgegnete ich. “Sie haben mich hierhin bestellt, jetzt sind Sie auch verantwortlich mich dahin zu bekommen, wo sie mich haben wollen”

Dann: Warten im Besucherraum, Sachen wegnehmen, abstasten, irgendein Warteraum. Kein Stuhl aber eine Fensterbank, auf der ich dann doch noch Sonne abbekam. Warten. Nach ner knappen Stunde kamen zwei Personen vom Knast in Lübeck in weißen Anzügen rein, ein bisschen fühlte ich mich wie im Seuchenfilm, naja bis auf, dass sie die Kapuzen gar nicht aufhatten. Ich bekam eine neue Maske zum Aufsetzten, für Abstand beim Maskentausch musste ich aber selbst sorgen. Im Transporter bei der Fahrt nahmen die auch ihre Masken ab, setzten sie erst vor Einfahrt in den Knast in Schleswig wieder auf. Wobei da schon ne Wand mit nur einigen Löchern nach vorne zwischen uns war. Keine Ahnung wie ernst die das nehmen, aber irgendwie passten die Monsteranzüge nicht ganz zum Verhalten.

Dann Eingang. Eigene Klamotten gibt es nur in Lübeck wieder, und weil hier sonst nur mänliche Jugendliche und keine Frauen sind, gibt es hier dunkelgrüne Kleidung wurde mir erklärt. Ein “besser als Rosa” konnte ich mir nicht verkneifen ob der absurden sexistischen Zuschreibungen. Fieber messen und Corona- Fragebogen gab’s, dann, wo ich mich in den letzten zwei Wochen war (aber kein Corona-Test)

Was mir im ersten Gespräch erzählt wurde zur Quarantäne: 14 Tage kein Besuch, auch nicht über Skype, kein Aufschluss. Und vermutlich zum Betäuben gibt’s nen Fernseher.

Auch sonst gibt es ein paar spannende Bemühungen, wie sie wohl verhindern wollen, dass Leute durchdrehen, denn an 23 Stunden auf der Zelle führt wohl nichts vorbei. So gibt es 99 Stunden freie Telefonate aufs Festnetz (aber wer hat heute überhaupt Festnetz? In meinem Freundeskreis nicht so viele). Und das wird natürlich auch erst Montag behandelt. Ob es überhaupt Hofgang gibt, hängt von der Willkür der Schliesser*innen ab. Laut Quarantäneregelung in Schleswig-Holstein müssen sie das nach ihren Angaben nicht machen. Deshalb gibt es dafür auch keine feste Uhrzeit, sondern es wird geschaut, wie es reinpasst. Bisher hätten sie das allerdings immer geschaft mit dem Hofgang, wurde mir zugesichert (es Freistunde zu nennen bring ich nicht über mich). Ich bin mal gespannt. Tatsächlich hat es dann (beim ersten mal ziemlich lange) geklappt, was wirklich gut war.

Soweit ich das mitbekommen habe ist das mit der Quarantäne-Station abgeschottet vom Rest vom Knast, also auch Personal, was gerade nur hier eingesetzt wird. Wir müssen Maske tragen, sobald wer in die Zelle kommt oder wir uns im Haus bewegen, tragen die meistens auch. Ich habe eine FFP2 Maske direkt vorm Transport bekommen, mehr bisher nicht. Ansonsten gibt es soweit ich das mitbekommen habe, keine speziellen Maßnahmen. Es gibt jeweils nen Flur für Jugendliche, Männer und Frauen, sind jeweils so 2-4 glaube ich

Auch sonst ist bisher mein Eindruck, dass sie sich bemühen, das mit den Quarantäne abzumildern, zb hab ich jetzt das Zeug aus meinem Rucksack was mir wichtig war in der Zelle, inklusive Blumenstrauß. Aber das sind halt alles Dinge, die von deren momentaner Laune abhängen (so haben sie heute extra Gesetzestext ausgedruckt, um zu zeigen, dass sie uns nicht telefonieren lassen müssten. Dass gibt mir dann doch zu denken, weil es so Druck aufbaut, freundlich sein zu sollen. Soweit der erste Tag in Quarantäne.

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1 Antwort zu Brief aus der JVA: Ab in die Quarantäne

  1. Carlo sagt:

    Ich habe an den Petitionsausschuss des Landtags gewandt (auf der Internetseite ist zu lesen: Das Petitionsrecht räumt jedem das Recht ein, sich gegen Ungerechtigkeiten, Benachteiligungen oder ungleiche Behandlung durch staatliche Stellen zu wehren. ). Dann ebenso an die Bürgerbeauftragte für soziale Angelegenheiten Frau El Samedoni udn gefordert, das Unrecht zu beenden und Besuche der Verteidigung zu ermöglichen sowie den unwürdigen Zustand 14 Tage nicht duschen zu dürfen (für alle) sofort abzustellen.#
    Solidarischen Gruß
    Carlo

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